| Ca. 1976 fing mein Bruder Steffen Marienberg an, diverse Verstärker zu entwickeln.
Bald darauf entwarf er seine ersten Synthesizer ( u.a. auch ein größeres Modularsystem ), bis er 1982 den VCS 2 herstellte. Den größten Einfluß auf die Klangfarben hatten mit Sicherheit die beiden VCOs, deren Wellenformen sowohl im positiven als auch im negativen Bereich der Periode getrennt modulierbar waren. Dazu standen zwei seperate LFOs mit den Wellenformen Dreieck, Sägezahn ( aufsteigend und abfallend ), Puls und Random zur Verfügung. Die Animation verdeutlicht das ( vereinfachte ) Prinzip der Modulation. |
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| Die farbigen Linien beschreiben den Einfluß der Steuerspannungen,
wobei Rot für U St1 und Grün für U St2 steht. |
| Beide VCOs boten die stufenlos mischbaren Fußlagen 2, 8, 16, 32 und 64. Frequenzmodulation und Sync
gehörten selbstverständlich auch zu den Möglichkeiten des VCS 2. Desweiteren besaß er ein 24dB Tiefpassfilter, ein VCA, drei ADSR Generatoren sowie drei LFOs und ein Rauschgenerator mit White / Pink Noise. Geplant war der Einsatz eines zweiten Tiefpassfilters, eines Hochpassfilters sowie eines Contourgenerators, der Ähnlichkeit mit denen aufwies, die im DX 7 Ihren Dienst verrichten. Außerdem sollten die VCOs noch flexibler gestaltet werden, so das eine Wellenform in modulierbare Segmente unterteilt werden konnte. Ein " Segmentsequencer " wäre dann der nächste Schritt gewesen. |
| VCS 6 Segment Wave Synthesis |
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Leider kam es zu keiner Weiterentwicklung, weil eines Morgens nach dem Einschalten mehrere Rauchwolken den Raum
verfinsterten, deren Grund das Netzteil des VCS 2 war. Mein Bruder hatte zu diesem Zeitpunkt auch keine Zeit für eine Reparatur, was das Ende dieses Synthesizers bedeutete. Stimmstabil und oktavrein war der VCS 2 noch nie, aber grade das trug zu der Wärme der Klänge bei, die heute kein Virtuell Analoger erzeugen kann ( und wahrscheinlich in den nächsten Jahren auch nicht hinbekommen wird ). Die einzige Aufnahme mit einem typischen VCS 2 Sound fand ich auf einem 17 Jahre alten Tonband in Mono, worauf der VCS 2 mit dem Digital Delay meines Bruders zu hören ist. |
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| VCS 2-1.mp3 | VCS 2-2.mp3 |
| Der eigentliche Geniestreich war aber das 83 / 84 entwickelte Digital Delay, welches nur mit DDR Bauteilen entstand.
Die technischen Daten: 13bit AD/DA, 44.1kHz Abtastrate, max. 20kHz Frequenzgang, 192kB RAM, max. 4.3 sek. Delay, Mono Input, 3 seperate Outputs, Samplingfunktion mittels Freeze über CV / Gate steuerbar. |
| Die 13bit sind kein Schreibfehler, sondern 12bit Wandler mit einem zusätzlichen Polaritätsbit ( geschalteter
Präzisionsgleichrichter ohne Dioden, welcher ein Patent meines Bruders war ). Die AD Wandler der DDR verfügten über keine ausreichende Geschwindigkeit, um die gewünschten 44.1kHz zu erreichen, welche dennoch über vier 12 bit Wandler mit je 12 kHz Abtastfrequenz erreicht wurde. Die technische Realisierung wurde mittels eines " Zeitregimes " gelöst, wobei der erste Wandler nach 22µs den zweiten anregte, der wiederum den dritten Wandler auslöste, welcher dem vierten den Startimpuls gab. Die DA Wandlung war kein Problem, da diese Wandler schnell genug waren. Das frei einstellbare Delay konnte getrennt auf die drei DA Wandler geroutet werden, wobei die Delayzeit von 1/8 bis 8/8 zur Verfügung stand. Jeder DA Wandler konnte nach dem letzten Delay den nächsten triggern. Als besonderes Feature stellte das Digital Delay einen Samplingmodus bereit, in dem man max. 4.3 sek. einfrieren ( Freeze ) und dieses Sample über eine CV / Gate Quelle steuern konnte. Als Steuerquelle diente damals eine alte Vermona Tastatur mit CV / Gate Output ( CV / Gate war damals allerdings ein Fremdwort für die DDR Wimmerorgeln ). Das Digital Delay wurde damals zwar auf der Messe in Leipzig und in Moskau vorgestellt und war dem Zeug von Klingenthal / Vermona um Lichtjahre voraus. Dennoch wurde das Digital Delay niemals zur Produktion freigegeben, weil die aüßerst unfähige " Prüfungskommision " nicht das Potential dieses Gerätes erkannte, obwohl selbst Firmen aus dem Westen starkes Interesse zeigten. Mit den Ideen meines Bruders wäre die DDR auf dem Gebiet der Musikelektronik endlich konkurrenzfähig gewesen. Wir hätten wahrscheinlich vor dem 8bit Ensoniq Mirage den ersten bezahlbaren 12bit Sampler produziert, aber die völlige Unfähigkeit der Leute, die am Steuer saßen und die feste Rangfolge haben der Idee den Garaus gemacht. Die offizielle Begründung lautete zwar " keine freien Kapazitäten ", aber man ließ durchblicken, daß es nicht angehen kann, daß ein Bäcker für ein paar Tausender im Monat täglich schuften muß, während ein Student mit ein paar Skizzen und Schaltungen das tausendfache verdienen würde ... eben " Spezialisten ". |
| Neben anderen Geräten, wie z.B. Digital Reverb, Chorus, Flanger, Digital Sequenzer kam dann 1986 der
brillianteste Einfall meines Bruders, den er auch sofort zum Patent anmeldete ... eine digitale 30 kW Endstufe mit einer HE. Natürlich bestand seitens des Militärs sofort Interesse, aber die Typen hatten einfach nicht die passenden " Lautsprecher ". Außerdem stand eine militärische Verwendung völlig außer Frage, was sich nicht grade vorteilhaft auswirkte. |
| Nachdem mein Bruder dann sein Studium abschloß und einige Zeit bei " Leipzig Concert " arbeitete, gründete
er die Firma " Audio-Light-Studiotechnik " und spezialisierte sich auf den Verkauf von Synthesizern, dem Verleih, Verkauf und der Installation von Beschallungsanlagen. Momentan arbeiten wir mit d&b und EV-Beschallungssystemen,sowie mit Mixerconsolen wie z.B. Yamaha M2000. Wenn Ihr eine Beratung braucht oder Euch einen neuen Synthi zulegen wollt ... wir sind die Richtigen ;) |
| AUDIO-LIGHT-STUDIOTECHNIK
Untere Bahnhofstrasse 41 06333 Hettstedt Tel.: 03476-810301 |
| Das folgende Foto ist ca. 1985 entstanden und zeigt das Studio in Hennigsdorf / Berlin, wo mein Bruder
Automatisierungs- und Verfahrenstechnik studierte ( zum Vergrößern klicken ). |
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| Bis auf den Mixer und das Tonbandgerät ist alles Eigenbau.
Links oben: Vollpolyphoner Synthesizer mit 12 Masteroszillatoren Links unten: CV / Gate Tastatur für das Digital Delay Rechts oben: VCS 2, daneben ein kleiner 2 Oktaven Synthi mit einem VCO Rechts unten: Zum Stringsynthesizer umgebaute Orgel Neben dem Tonband: alter Federhall, analoge Drummaschine Hinter dem 2 Oktaven Synthi: Digital Delay Im Rack: 3 Band Parametric EQ, 31 Band Graphic EQ, 3 Wege Chorus, Multiphaser, Analogsequenzer und ein Prototyp des Digital Delays |
| Und warum steht nun die ganze Story unter " Projekte " ?
Ganz einfach. Weil diese ganzen Synthesizer einen unverwechselbaren Sound besitzen, den man mit keinem ARP, Moog usw. erreichen kann ( ist eben alles selbst berechnet ). Deshalb wird geplant, zuerst vom VCS 2 eine 6-stimmig polyphone Version herzustellen, was aber noch einige Zeit kosten wird ... und Zeit ist genau das, was ziemlich knapp ist. |
| VCS 2 Processorboard Rev 1.0 |
| Wie der " VCS 6 Segment Synthesizer " einmal aussehen könnte, zeigt mein erster Entwurf. |
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| VCS 6 Zooms |