Steffen auf Planquadrat 24b seines Zweitwohnsitzes in Jamaika.

War natürlich ein Witz, in Wirklichkeit ein Feld voller Nutzhanf in der Nähe Berlins.

Andererseits ... vergesst den letzen Satz, dann steht mir seine Sammlung für die

nächsten zehn Jahre zur freien Verfügung ;)

Tobias hat in letzter Zeit "einige" Fotos in Hettstedt geschossen, deshalb hier ein

kleiner Überblick von Audio-Light-Studiotechnik in Hettstedt.

Diese Seite wird etwas anders als Tobias' Synthesizersammlung strukturiert sein, denn während Tobias'

Sammlung noch einigermaßen übersichtlich ist, würde ich mir bei Steffen wirklich die Finger wund schreiben.

Zudem ersteigerte Tobias die meisten seiner Geräte auf Ebay, während Steffen zum größten Teil defekte

Geräte in Zahlung nahm - " ich habe da noch eine Orgel auf dem Dachboden gefunden ... steht irgendwo

' Prodigy ' drauf " - und selbst reparierte. Daher auch der etwas dürftige, äußerliche Zustand mancher Geräte.

Allerdings wird auf einige Geräte speziell und technisch eingegangen, so z.B. auf die Dynacord Effektserie

wie DRS78 / VRS23. Das Paradebeispiel "Klingenthaler Dingens" zeigt außerdem, was man bei der Plan-

ung und Konstruktion eines Synthesizers tunlichst vermeiden sollte bzw. was man alles falsch machen kann.

Steffen hat mir hierzu einiges notiert , allerdings habe ich es doch etwas meiner "Schreibe" angeglichen.
PRO DGX
DRP 16 DRS 78 DRS 78 DRS 78
Das DRS 78 hörte ich zum ersten Mal 1981 bei der "Schubert Band". Diese Band fuhr einen oberamtlichen

Sound mit einer 3-Wege Anlage - Bass 2x250W, Mitte 2x150W und Höhen 2x100W, Foh: 16-kanaliger

Dynacord Mixer, Siderack: DRS 78 und TAM 19 für über 2000 Besucher. Kein Gatequatsch, Kompressor-

blödsinn oder EQ Wahn, sondern nur ein DRS 78 und ein TAM 19.

Das Wichtigste am DRS 78 ist die Tatsache, daß es nicht nur hallt, sondern auch einen wirklichen Raum-

eindruck erzeugt. Auch schaltungstechnisch ist es brilliant - ein einziger 12bit Wandler und ein SAR für die

AD/DA Wandlung, diskret aufgebaute Abfrage der Verzögerung bis hin zur genialen Schlichtheit, die An-

steuerung der logarithmischen Pegelanzeige durch den Datenbus zu realisieren.

Nach meinen Informationen ist das DRS 78 ein "Ein Mann" Projekt, wobei der Entwickler in einem Atem-

zug mit Größen wie Moog, Palm oder Schwarz genannt werden muß. Zwar kenne ich seinen Namen, aber

besitze weder Adresse noch Telefonnummer.

Zudem arbeitet die Zeit gegen mich, da der Mann schon längst im Ruhestand sein muß, so das meine

Hoffnung auf Kontakt und Gewährung einer Audienz zunehmend schwindet.

PDD 14 TAM 19 VRS 23
Das TAM 19 hingegen überzeugt mich weder schaltungstechnisch noch im Klangcharakter.

Lustig ist aber die werbewirksame Bezeichnung, welche sich auch die Macher von Star Trek hätten aus-

denken können - "Zeitachsenmanipulator". Wie gesagt, ein lustiger Marketing-Gag, handelt es sich doch

um nichts anderes als einfache, kaskadierte Eimerketten von Valvo, welche zur Zeit des TAM 19 in vielen

Flangern verbaut wurden. Und das ist das TAM 19 - ein Stereoflanger mit einigen Modulationsmöglichkeiten.

Das VRS 23 ist interessanter als das TAM 19, allerdings bei weitem nicht so interessant wie das DRS 78.

Hier wird der Hall durch Mehrfachkaskadierung mehrerer Eimerketten realisiert, welche an unterschiedlichen

Stellen abgegriffen werden, um so eine begrenzte Anzahl von scheinbaren Reflexionen zu erzeugen.

Es klingt dabei aber völlig anders als das DRS 78 oder DRP 16, eher ein schöner Effekt als ein Hallgerät.

Im übrigen ist der Dynamikumfang wirklich erstaunlich, denn nur bei stark perkussiven Signalen sind die

Expander und Kompressoren zu hören - eine extrem wenig rauschende "Eimerkettenkiste".

Zu der Zeit, als das PDD 14 auf dem Markt kam, galt "digital" als das grosse Modewort und da es

zudem noch "programmable" ist, war die etwas unglückliche Bedienung der Verzögerungszeit via

UP/DOWN Tastern eher zweitrangig.

Diese Zeit war zudem auch die Stunde der Scharlatane. In Berlin gab es z.B. Einen, der einigen Kollegen

aus der Orgelspielerfraktion - natürlich gegen entsprechendes Entgeld - die "Effekte" auf ihre PDD 14er

"programmierte". Zitat eines Alleinunterhalters: "Du, der ist Spitze. Was der alles aus meinem PDD 14

rausholt ... der blanke Wahnsinn." Das ist KEIN Witz !

Allerdings habe ich selten ein Delay gehört, welches derart pregnant klingt. Selbst wenn es im Pegel

unterhalb des Originals liegt, hat man den Eindruck, daß das Effektsignal das Original ist.

Wenn man also ein Delay haben will, welches als Effekt deutlich wahrnehmbar ist, so ist das PDD 14

allererste Wahl.

Rhapsody 610
Mirage
String Melody II
Lambda Micro Preset
MonoPoly MS 20
Poly 800 SQ 10
Polymoog Prodigy
DMX DSX
OB 8 Matrix 6R
Quantec Raumsimulator
Spätestens als Steffen den QRS öffnete und wir uns sein Innenleben ansahen, wussten wir, daß Wolfgang

Schwarz im Bereich der Elektroakustik das ist, was Einstein für die Physik war - es ist einfach unvorstellbar,

wie dieses Wunderwerk funktioniert, denn neben einigen Speicherbänken und Eproms besteht der QRS zum

allergrößten Teil aus einem "Prozessor", welcher mit einfachen ICs der 74er Serie konstruiert wurde.

Natürlich ergingen wir uns in Spekulationen, wie der QRS funktioniert, ob in den Eproms Algorithmen für die

arithmetische(n) Einheit(en) vorhanden sind und ob sie Matrizen enthalten, wie der Speicher beschrieben

oder ausgelesen wird, oder eventuell approximierte Werte für die Berechnung von Raumresonanzen beinhalten.

Zum Schluss macht das aber keinerlei Sinn. Selbst wenn man einen Schaltplan hätte, könnte man es

bestenfalls mit der Analyse einer komplexen, disassemblierten Software ohne Dokumentation auf Hardware-

ebene vergleichen - man weiß zwar, was rauskommt, erkennt auch die Verschaltung der Chips, aber das

eigentliche WIE wird doch ein Rätsel bleiben, solange keine umfangreiche Dokumentation existiert.

Aber selbst dieser Vergleich hinkt, weil man eine Software "durchsteppen" kann, was beim QRS eben

nicht möglich ist.

Klangbeispiele werden definitiv noch folgen, allerdings können wir jetzt schon sagen, daß wir ab heute zu allen

existierenden, hochpreisigen Schepperkisten sagen werden: "Naja, ganz ok, aber es ist eben kein QRS".

Ein DX7 Flötensound ( das gleiche Preset, welches von TD auf Poland 83 "Barbakane" verwendet wurde ),

bekam eine extreme Tiefe, der Akai VX 600 von Tobias lieferte die 100%ige Kopie eines Sounds, welcher

von Oldfield auf "Crises" u.a. bei 10.00min. mit einem OBXa gespielt wurde - es war einfach "Crises".

Und ein Moog Prodigy wurde auf einmal ( fast ) zum Yamaha CS80 und klang nach "Blade Runner",

obwohl Vangelis dafür höchstwahrscheinlich ein Lexicon 224 verwendete.

Wer nun denkt, daß das doch schon etwas übertrieben klingt, sollte sich die CD "Bergpredigt" von Hubert

Bognermeyer und Harald Zuschrader zulegen, auf welcher der QRS mit einem Fairlight zu hören ist.

Die Bedienung erklärt sich von selbst, lediglich bei der Memory Sektion mussten wir im Handbuch

nachsehen. Jedem Parameter sind zwei Taster (+ und - ) zugeordnet und in der Mitte existiert ein

Rotary Encoder, mit welchem man den aktuellen, blinkenden Wert ändern kann.

Insgesamt stehen 64 Speicherplätze, organisiert zu 8 Bänken ( Files ) mit je 8 Speicherplätzen

( Locations ), zur Verfügung - die Fernbedienung war allerdings nicht verfügbar.

Fazit: Das perfekte "Hallgerät", besonders geeignet für TD-, Oldfield- und Vangelisfans, welches

in kleinen Räumen allerdings auch als Heizung eingesetzt werden kann ;)

Ein Audio-Testbericht mit tolerierbarer Klangqualität ist in der "Steckdose" verfügbar.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch das andere Flaggschiff dieser Zeit, die Publison IM 90, im

Rack und ein Fairlight wäre auch nicht schlecht ;)

Juno 6 Juno 106
JX 3P / PG 200 JX 8P
RE 201 SH 2000
Prophet 600
Dingens Piano Strings
Das Teil hat eigentlich alles, was ein Synthesizer haben sollte, zumindest äußerlich, wobei es gleich zwei

Fraktionen bedient - die, die wissen, was sich hinter VCF und VCA verbirgt und die Kandidaten der Orgel-

spieler, welche ein paar Knöpfe für Festregister vorfinden. Den letzteren kann man zudem leicht verkaufen,

daß der LFO zwar ein Vibrato macht, aber der Geschwindigkeitsregler bei 10 die niedrigste und bei 0 die

höchste Geschwindkeit hat. Das das Modulationhandrad nur bei mehrmaligem Nachsetzen seine Möglich-

keiten zeigt, macht auch nichts - der Orgelspieler haut's sowieso immer voll rein.

Auch der Pitchbend bietet völlig neue Möglichkeiten, ergänzt er doch gleich den General Tune Regler, nur

das er nicht in seine Nullposition zurückfedert. Aber daran waren wahrscheinlich auch die Genossen in

Berlin schuld, welche keine Bilanzen für eine kleine Rückholfeder freigaben, so wie sie auch sonst die

brillianten Ideen der Herren aus dem Vogtland torpedierten.

Frei nach der Devise "doppelt hält besser" ist dann auch Cutoff zweimal vorhanden - der nennt sich dann

zwar "Brilliance", macht aber nicht ganz das Gleiche, denn der Cutoff arbeitet nur im Bereich von 4 bis 7.

Das Filter arbeitet sonst recht ordentlich, auch wenn es nicht zur Selbstoszillation neigt, was allerdings

auch zu verräterisch gewesen wäre - ein kleiner Tipp an die brillianten Köpfe: Auch wenn man den Regler

nicht als "Emphasis" bezeichnet und anstelle des diskreten Differenzverstärkers ein OPV einbaut, eine

Moogkaskade bleibt auch dann eine Moogkaskade, selbst wenn man es als Eigenentwicklung verkauft.

Da nützt es auch nichts, wenn man die ursprünglich verbauten A109 durch B080er ersetzt - dann schon

lieber konsequent bleiben und weiterhin Chips verbauen, auf denen schon damals Projektierungsverbote

lagen. Nicht etwa wegen der Sicherheit, dem Miltär oder der Materialknappheit, sondern aus dem simplen

Grund, daß diese Teile zu dieser Zeit selbst in der DDR als absolut veraltet galten.

Das Gleiche gilt übrigens für die im VCO als Frequenzteiler verbauten D100 - aber wieso Frequenzteiler

im VCO ??? Ich vergaß, daß die VCOs nur Rechtecke generieren, welche dann zum Pseudosägezahn

summiert werden - aber das immerhin mit gigantischen 32 Stufen ! Reicht aus, meint man ?

Könnte sein, allerdings gelten die 32 Stufen nur für die 32er Fusslage, nach oben nimmt die Auflösung

ab, so das bei der 2er Fusslage nur noch 4 Stufen vorhanden sind - wahrlich genial.

Aber immer noch besser als der Puls, denn dort wird zwischen 2 und 4 Fuss kein Unterschied gemacht,

sondern nur einer dazwischengelegt - da haut der Obertongehalt zwar nicht mehr hin, aber das spielt auch

keine große Rolle mehr, denn der Puls ist ja sowieso nicht regelbar.

Dafür ist allerdings ein richtiger ADSR vorhanden. Zwar nur einer, allerdings mit weitreichenden Möglich-

keiten. So verschiebt sich die Grenzfrequenz des Filters bei Regelung von "Contour" automatisch mit,

so das man immer Cutoff schön nachregeln darf - hier wieder ein kleiner Tipp: das "V" in VCF steht

für "Voltage" und nicht für "Vielfach".

Die Kiste hat aber auch sonst Vorteile zu bieten - sie ist extrem frequenzstabil.

Liegt es vielleicht daran, daß die VCOs nur die vier Oktaven der Tastatur anstelle der üblichen zehn

Oktaven beherrschen müssen ? Oder weil man auf temperaturstabilisierte Expokonverter verzichtete ?

Bestimmt liegt es auch daran, daß man keine externe Steuerungseingänge benötigt, was zudem

auch sowieso ziemlich lästig sein würde, da man sich dann doch über solche Kleinigkeiten wie

V/Oktave bzw. V/Hz und CVs Gedanken hätte machen müssen.

Fazit: Schöne Holzseitenteile, ein Lautstärkeregler, der leise regelt, wenn man ihn nach rechts dreht,

und ein nicht aufdringlicher, besser gesagt unbedeutender Sound - ein würdiger Stein, welcher sich

hervorragend in die Kette der im Vogtland sonst gebastelten Instrumente nahtlos einfügt.

DRM
CS 15D DX 7
RX 11 RX 11