Nahezu 5 Jahre vergingen von der Idee bis zur Realisierung eines VCO's, welcher die

hohen Anforderungen erfüllt, die wir uns für den VCS 2 gestellt haben.

Die Modularversion dieses Präzisionsoszillators verfügt zwar nicht über Segmentwaves,

erzeugt aber dafür eine phasensynchrone Topoktave der Wellenformen Rechteck, Dreieck

und Sägezahn. Außerdem besitzt dieser VCO folgende Eigenschaften:

-

- linear ohne Fehlerkorrektur ( der "High End Trim" anderer VCO's wird nicht benötigt )

- exakte Wellenformen

- Möglichkeit von Linear FM

- neben den o.g. Wellenformen wird ein Sinus und ein Puls erzeugt

- Pulsbreiten sind durch Potis und externe CV's steuerbar

- Puls Modus: umschaltbar von "Classic" auf "Polarity"

- synchronisierbar ( Hardsync )

- LFO Modus von ca. 0.5Hz bis ca. 32Hz

- gesamter Frequenzbereich inkl. Topoktaven: ca. 0.5Hz bis ca. 40kHz

- mit Standardbauelementen aufgebaut ( keine Spezialchips wie z.B. Curtis oder SSM )

- voll analog

- temperaturstabilisiert

-

Schalter: Range ( Low, 2', 4', 8', 16', 32' ), Linear FM In AC/DC, Pulse Mode

-

Eingänge: CV A, CV B ( mit Abschwächer ), Linear FM ( mit Abschwächer )

Neg Pulse Width CV, Pos Pulse Width CV, Sync

-

Ausgänge: Rec, Tri, Saw, Rec Top, Tri Top, Saw Top, Sine, Pulse

Die Entwicklung des VCO's
Lineare FM und eine möglichst genaue Erzeugung der Wellenformen - das war unsere Anforderung

für die VCO's im VCS 2. Da die Schaltpläne des alten VCS 2 von 1982 vorhanden waren, bauten wir

als erstes diesen Oszillator auf, nur um festzustellen, daß neben einem ungenauen Exponential-

konverter auch die eigentliche Schwingungserzeugung eine gewisse Nichtlinearität aufwies.

Den Exponentialkonverter zu verbessern stellte kein Problem dar, allerdings waren die Versuche,

den Linearitätsfehler in der Schwingungserzeugung zu beseitigen, nur mäßig erfolgreich.

Bereits ab ca. 2kHz driftete der VCO um einige Cent ab und bei 20kHz war die Abweichung so

hoch, daß sie nicht mehr akzeptiert werden konnte.

Die VCO's von Moog u.a. hatten auch dieses Problem - je höher die Frequenz, umso drastischer

der Fehler. Deshalb existiert auch ein " High End Trim " in diesen Oszillatoren, welcher sie

scheinbar linearer machte, in Wirklichkeit aber eine Fehlerkorrektur darstellt.

Folgende Darstellung ist zwar sehr übertrieben, zeigt aber deutlich diese Korrektur:

Blau: idealer Frequenzverlauf / Rot: ohne Korrektur / Grün: mit Korrektur
Diese Korrektur ist völlig ausreichend, wenn keine Linear FM gefordert wird.

Wenn mehrere VCO's parallel mit unterschiedlichen Fußlagen gespielt werden, tritt der ( bei analogen

Synthesizern gewünschte ) Effekt auf, daß einige Tasten unterschiedliche Verstimmungen erzeugen.

Dadurch gewinnt der Klang an Lebendigkeit. Saubere lineare FM ist aber nur dann möglich, wenn die

VCO's im gleichen Frequenzbereich arbeiten oder eine gewisse Frequenzgrenze nicht überschritten wird.

Ansonsten sorgt die Nichtlinearität dafür, daß trotz Korrektur unerwünschte Interferenzen hörbar werden.

Lineare FM funktioniert dann nur in einem engen Frequenzbereich.

Also kam mein Bruder auf die Idee, mehrere Korrekturstufen zu verwenden. Jede dieser Stufen sollte ab

einer bestimmten Frequenz einsetzen und ihren Verlauf " linearisieren ". Obwohl die Ergebnisse sich danach

bedeutend verbesserten, waren bei einigen Noten in den zwei obersten Oktaven noch Interferenzen hörbar.

Außerdem stieg durch diese Lösung der Aufwand an Bauelementen beträchtlich, so das sich auch dieses

Verfahren als unbrauchbar herausstellte, zumal der Oszillator auch im VCS 2 eingesetzt werden sollte und

selbst als SMD Version zuviel Platz verbraucht hätte.

Danach probierten wir andere Verfahren aus, um Schwingungen zu erzeugen, denn auch die Wellenformen

wurden durch diesen "High End Trim" frequenzabhängig deformiert.

Probleme bei VCO's mit Rampenintegratoren und Stromspiegeln
Dann, vor einigen Monaten, fand mein Bruder die Lösung - ein Oszillator mit einem nahezu perfekten,

linearen Frequenzverlauf ohne Fehlerkorrektur und einer präziseren Wellenformerzeugung.

Bitte habt dafür Verständnis, daß ich auf diese Lösung und die Topoktaven nicht näher eingehe.

Nur soviel: Es ist schaltungstechnisch kein Problem, den VCO mit zwei zusätzlichen Sub- und Topoktaven

auszustatten, so das insgesamt sechs phasensynchrone Fußlagen zur Verfügung stehen. Der Aufwand an

Bauelementen steigt allerdings, so das wir in diesem VCO nur eine Topoktave integrierten.

Die folgenden Bilder wurden von einem PeakTech 2035 Oszilloskop fotografiert und alle

Klangbeispiele mit einer M-Audio Audiophile 2496 aufgenommen.

Dabei ist bei den Wellenformen mit Topoktaven auf dem linken Kanal das Original und

und auf dem rechten Kanal die Topoktave zu hören.

Herzlichen Dank an meinen Neffen Tobias Knebel, der die ganze Fotoarbeit übernahm.

Rechteck 500Hz+Topoktave Rechteck 18kHz+Topoktave Dreieck 500Hz+Topoktave Dreieck 18kHz+Topoktave
Rechteck.wav Dreieck.wav
Sägezahn 500Hz+Topoktave Sägezahn 18kHz+Topoktave Sinus 500Hz Sinus 18kHz
Sägezahn.wav Sinus.wav
Puls 500Hz Puls 18kHz
Puls.wav
Nachfolgendes Beispiel demonstriert die Linearität des VCO's. Die Steuerspannung

wurde mit einem Prototyp unseres polyphonen MIDI zu CV/Gate Konverters erzeugt,

welcher eine 14bit Wandlung mit 10 Volt Referenz besitzt ( wird auf 16bit erweitert ).

Auf dem linken Kanal ist der VCO Sinus und auf dem rechten Kanal ein Sinus des

( digitalen ) Synthesizers Yamaha DX 11 zu hören.

VCO / DX11 Sinus.mp3
Bei dem nächsten Beispiel moduliert der Sinus einen zweiten VCO ( lineare FM ).

Während der Sequenz wird die Modulationsintensität langsam erhöht, so das aus

einem Sinus eine glockenartige Wellenform entsteht.

Linear FM.mp3
Als letztes noch eine Tabelle, welche die genaue Oktavspreizung des VCO's darstellt.

Die Frequenzmessung wurde nach einem extrem präzisen Abgleich des Oszillators

mit einem PeakTech 4015A durchgeführt.

Sollwert Istwert Abweichung in Hz Abweichung in Cent
32Hz 32.000Hz 0 0
64Hz 64.000Hz 0 0
128Hz 127.98Hz 0.02 0.26
256Hz 255.84Hz 0.16 0.95
512Hz 511.91Hz 0.09 0.29
1024Hz 1024.0Hz 0 0
2048Hz 2048.0Hz 0 0
4096Hz 4096.0Hz 0 0
8192Hz 8192.0Hz 0 0
16384Hz 16381Hz 3 0.3
20000Hz 19993Hz 7 0.58
Nachtrag zu den Klangbeispielen:

Bei den Klangbeispielen ist zu beachten, daß beim Abhören mit "preiswerten" Wandlern

( z.B. PC On-Board ) ein starkes Aliasing in den höheren Frequenzen auftreten kann.

Dieses Aliasing ist bei Soundkarten mit besseren Wandlern ( z.B. Audiophile 2496 )

nicht hörbar. Dieser Fehler liegt auf der digitalen Seite und hat nichts mit dem VCO zu tun.

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